"The Silent Distance" – Ula Ahmed, Masixole Ncevu und Roxana Rios
Ausgehend von ihren künstlerischen Arbeiten reflektieren Ula Ahmed, Masixole Ncevu und Roxana Rios über die verschiedenen Erscheinungsformen von Distanz – sei sie geografisch, identitätsbezogen oder zwischenmenschlich. Letztere wird im Konzept von The Silent Distance als kraftvolle Metapher für Othering und die Aushandlung von Identität verstanden – als eine oft unausgesprochene, unsichtbare soziale und emotionale Kluft zwischen einem dominanten „Selbst“ und einem marginalisierten „Anderen“.
In ihrem Gespräch untersuchen die Künstler*innen einen Zustand des „Nah- und doch nie ganz Innerhalb-Seins“. Sie richten einen sensiblen Blick auf die stillen Räume des Unausgesprochenen, des Lückenhaften und des Nichtgesagten – dorthin, wo sich Erfahrung entzieht und gerade deshalb verdichtet.
Räumliche Dimensionen verstehen sie als sinnliche Erfahrungsräume, die sich physikalischer Eindeutigkeit entziehen: Sie erzeugen Nähe trotz realer Distanz und lassen zugleich im unmittelbaren Gegenüber Brüche und unüberbrückbare Distanzen hervortreten.
Ula Ahmed ist eine autodidaktische Fotografin aus dem Sudan und eine der ersten prominenten weiblichen Stimmen in der zeitgenössischen Fotoszene des Landes. Sie begann 2016 zu fotografieren und stellte ihre Werke 2021 bei den Rencontres d’Arles aus, was ihr internationales Debüt markierte. Mit subtiler Kraft prägt sie weiterhin das visuelle Erzählen im Sudan.
Masixole Ncevu ist ein Künstler, dessen Werk tiefgreifende theoretische und konzeptionelle Forschungskomponenten beinhaltet. Er integriert verschiedene Medien wie Fotografie, Film, Zeichnungen, Performance und Klang in seine Arbeit. Inspiriert von der immateriellen Welt, postkolonialer Theorie und verschiedenen dekolonialen Ideologien, interessiert er sich für die soziologischen und psychologischen Anwendungen der Fotografie. Ncevu nutzt die Fotografie als Werkzeug, um narrative Einblicke zu gewinnen, und greift dabei auf Modelle aus den Sozialwissenschaften wie Ethnografie und Foto-Elizitation zurück. Sein Werk ist geprägt von der Suche nach historisch bedingten Formen des Verständnisses der Gegenwart, insbesondere im Hinblick auf die materielle Kultur.
Roxanas Rios‘ Praxis hinterfragt hegemoniale Narrative sowie die Beziehungen zwischen Bild- und Wissensproduktion. Innerhalb fotografischer, performativer und installativer Formate untersucht Rios den Körper als Konstrukt, Material und Repräsentant*in innerhalb gesellschaftlicher (An-)Ordnungen. In dieser Funktion versteht sich die Arbeit als Testfeld utopischen Denkens, Sehens und Sprechens, als Beitrag zu zeitgenössischen, gesellschaftlichen sowie ästhetischen Diskursen.