Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg
Sara Sallam – Fürsorge: Fotografie neu ordnen
Wie können wir heute auf die gewaltsamen Praktiken der Kolonialzeit blicken? Wie lassen sich Wunden sichtbar machen – und wie lässt sich ein Prozess der Heilung anstoßen? Die junge ägyptische Künstlerin Sara Sallam, die in den Niederlanden lebt, widmet sich erstmals in Deutschland diesen Fragen in neuen, eigens für das MK&G entwickelten Arbeiten. In dieser Ausstellung setzt sie sich in drei Kapiteln – Über Trauer, Über Vertreibung und Über Widerstand – mit der archäologischen und fotografischen Sammlung des MK&G sowie deren kolonialem Erbe auseinander.
Sallams forschungsbasierte Praxis umfasst Fotografie, Video, Text, Archivinterventionen und Künstlerinnenbücher. In poetischen Neuinterpretationen als multimediale Installationen, performative Erzählung und selbst gestalteten Publikationen entwickelt sie oftmals Gegenerzählungen zu historischen Narrativen aus kolonialen Kontexten, die dazu einladen, die Vergangenheit neu zu betrachten. In Suturing Wounds (2024 – heute) beispielsweise komponiert die Künstlerin Faksimiles fragmentierter koptischer Textilien aus der Antikensammlung des MK&G zu einer handgenähten Tunika und inszeniert diese in fotografischen Selbstporträts. Dem Akt des Ausgrabens und Fragmentierens setzt die Künstlerin das Zusammenfügen und Nähen entgegen – eine Geste des Widerstands und zugleich ein heilendes Ritual, mit dem sie ihren unbekannten Vorfahrinnen gedenkt.
In der Ausstellungsreihe Fotografie neu ordnen werden Themen, Positionen, aber auch Leerstellen der Sammlung Fotografie und neue Medien am MK&G durch zeitgenössische künstlerische Interventionen kritisch hinterfragt. Langfristig verfolgt das Museum das Ziel, die Sammlung mit Arbeiten von Fotograf*innen migrantischer Herkunft zu erweitern und zu diversifizieren.
Diese Ausstellung wird kuratiert von Dr. Esther Ruelfs.